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VENDION CONSULTING
Analyse

CAC senken ohne Marge zu opfern

Die meisten Häuser senken ihre Akquisekosten über Rabatte und ROAS-Ziele — und verlieren dabei genau das, was sie eigentlich schützen wollten: die Marge.

Von Ansgar Holtmann

Der teuerste Denkfehler steckt in Ihrer wichtigsten Kennzahl

ROAS misst Umsatz geteilt durch Werbekosten. Sonst nichts. Kein Wareneinsatz, keine Retoure, kein Versand, keine Zahlungsgebühr, kein Rabatt.

Ein Kanal kann Ihnen 800 Prozent ROAS zeigen und trotzdem strukturell Geld verbrennen, wenn die Marge dahinter dünn ist. Ich habe das oft genug in Dashboards gesehen: alles grün, und am Monatsende fehlt der Deckungsbeitrag. Die Zahl war nie falsch. Sie hat nur nie das gemessen, worüber Sie steuern sollten.

Wer CAC senken will, ohne die Marge zu ruinieren, muss zuerst die Zielfunktion tauschen. Umsatz ist nicht das Ziel. Marge ist das Ziel.

Rechnen Sie in Deckungsbeitrag, nicht in ROAS-Quoten

Die saubere Steuergröße ist der Deckungsbeitrag II: Umsatz minus variable Kosten minus Marketing. Variable Kosten heißt Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren, Retouren. Was danach übrig bleibt, trägt Ihr Haus.

Aus dem DB II leiten Sie den Break-Even-CPA pro Sale ab. Das ist der Betrag, den ein Neukunde kosten darf, bevor der einzelne Verkauf ins Minus kippt. Und der Clou: Dieser Wert ist pro Produktgruppe verschieden. Ein Vollpreisartikel verträgt einen ganz anderen CPA als ein Rabattartikel mit sechs Prozent Marge.

Ein pauschales ROAS-Ziel über das ganze Sortiment mittelt genau diesen Unterschied weg. Sie subventionieren dann Ihre margenschwachen Produkte mit dem Media-Budget, das eigentlich die starken skalieren sollte. In der DTC-Szene setzt sich dafür langsam der Begriff POAS durch, Profit on Ad Spend. Egal wie Sie es nennen: Sie rechnen die Kosten mit, die ROAS ignoriert.

Der Rabatt ist kein CAC-Senker. Er ist ein Margen-Schredder.

Der Reflex sitzt tief. Akquise zu teuer? Zehn Prozent Gutschein drauf, dann konvertiert der Traffic günstiger.

Rechnen Sie es einmal auf DB-Ebene durch. Der Rabatt senkt Ihren CPA, das stimmt. Aber er senkt Ihre Marge fast immer stärker, als er den CAC drückt. Netto steht der Deckungsbeitrag danach schlechter da als vorher, obwohl der Neukunde auf dem Papier billiger war.

Sie haben den CAC optimiert und den Gewinn verkauft. Das ist der Rabatt-Tod, und er sieht in jeder ROAS-Auswertung wie ein Erfolg aus.

Die günstigsten Neukunden holen Sie aus dem Traffic, den Sie schon bezahlen

Der übersehene CAC-Hebel liegt nicht im Media-Einkauf, sondern im Checkout. Rund 70 Prozent der Warenkörbe werden abgebrochen, so der über viele Einzelstudien gemittelte Baymard-Durchschnittswert. Ein guter Teil davon ist keine Kaufunlust, sondern Reibung.

Kontozwang vor dem Kauf. Fehlende Zahlarten. Ein Formular mit Feldern, die niemand ausfüllen will. Jeder dieser Punkte kostet Sie Conversions aus Traffic, den Sie längst bezahlt haben. Und anders als eine Anzeige, die Sie neu einkaufen müssen, bezahlen Sie diesen Traffic schon.

Denken Sie das zu Ende. Wenn Sie aus demselben Media-Budget mehr Käufe holen, sinkt Ihr effektiver CAC, ohne dass Sie einen Euro mehr in Anzeigen stecken. Das ist die sauberste CAC-Senkung, die es gibt: mehr Marge bei gleichem Risiko. Wie man Reibung im Funnel systematisch findet und rausnimmt, ist ein eigenes Handwerk, aber es ist Handwerk, das jedes Haus lernen kann.

Ihr Attributions-Dashboard zählt denselben Verkauf mehrfach

Google, Meta, TikTok. Jede Plattform beansprucht den letzten Klick für sich. Zählen Sie die attribuierten Umsätze aller Dashboards zusammen, kommen Sie regelmäßig auf mehr als hundert Prozent Ihres realen Umsatzes.

So funktioniert Last-Click, das ist kein Bug. Und es ist teuer, weil Sie Budget auf Basis von Phantom-Wachstum verteilen. Ein Kanal sieht stark aus, weil er sich Sales anrechnet, die auch ohne ihn gekommen wären.

Die Gegenprobe heißt Marketing Mix Modeling oder Geo-Lift-Test: eine aggregierte Betrachtung über alle Kanäle statt Klick-für-Klick-Zuordnung. Meta empfiehlt aggregierte Tests inzwischen selbst zur Kalibrierung der eigenen Attributionsdaten. Sie brauchen keine perfekte Wahrheit. Sie brauchen nur genug Gegenprobe, um nicht in die Doppelzählung hinein zu skalieren.

Retention und Kanal-Mix sind CAC-Hebel, keine Nebenschauplätze

Wiederkaufsumsatz von Bestandskunden fließt in Ihren Umsatz, ohne dass dafür ein zweiter Euro Akquise anfällt. Das drückt den blended CAC rechnerisch, also die Gesamt-Werbekosten geteilt über alle Conversions. Retention ersetzt keine Neukundengewinnung. Aber sie verbessert Ihre Unit Economics dort, wo es am billigsten ist.

Beim Kanal-Mix gilt dasselbe strukturell. Wer nur auf Google und Meta sitzt, trägt das volle Auktionspreis-Risiko dieser zwei Plattformen. Steigt die Wettbewerbsdichte, steigt Ihr CPM, und Sie können nur zusehen.

Ich komme aus dem klassischen Direktmarketing, und ich sage das mit Überzeugung: Performance Marketing ist kanalunabhängig. Katalog, Werbebrief, DRTV, Telefon waren messbare Response-Kanäle, lange bevor es Google gab. Wer den Mix breiter aufstellt, macht sich unabhängiger von den Preissteigerungen einzelner Auktionen. Das ist keine Nostalgie, das ist Risikostreuung auf der Kostenseite.

Eine Warnung zur berühmten 3:1-Regel

Sie werden überall lesen, ein LTV zu CAC von 3:1 sei das Ziel. Die Zahl stammt von David Skok und ist über zehn Jahre alt, abgeleitet aus reifen SaaS-Unternehmen mit stabiler Churn und mehrjährigem Kundenwert.

Zwei Dinge werden dabei fast immer verdreht. Erstens war 3:1 als Mindestschwelle für Überlebensfähigkeit gemeint, nicht als gutes Ergebnis. Zweitens ist der Ursprung ein Abo-Geschäft. Auf transaktionales D2C ohne echtes Abo übertragen Sie das bestenfalls als grobe Analogie, nicht als belastbaren Zielwert. Nehmen Sie die Regel als Fieberthermometer, nicht als Steuergröße.

Der Umbau beginnt bei der Frage, was Sie eigentlich messen

CAC senken ohne Margenverlust ist kein Trick und keine neue Ad-Taktik. Es ist eine Entscheidung darüber, welche Zahl oben im Report steht.

Steht dort ROAS, optimieren Sie auf Umsatz und verkaufen Marge, ohne es zu merken. Steht dort Deckungsbeitrag, sehen Sie zum ersten Mal, welche Kampagne wirklich Geld verdient und welche nur groß aussieht.

Wenn Sie prüfen wollen, wo in Ihrem Haus zwischen ROAS und echter Marge Geld liegen bleibt, dann sprechen wir dreißig Minuten darüber. Kein Pitch, nur eine ehrliche Einschätzung, wo ich die schnellsten Hebel sehe.

Zwischen ROAS und echter Marge Geld verloren? Sprechen wir 30 Minuten.

Unverbindlich, kein Verkaufsgespräch — nur eine ehrliche Einschätzung Ihrer schnellsten Hebel.