Der Tagessatz ist nur die halbe Rechnung
Wenn ein Geschäftsführer mir sagt, ein Interim-Tagessatz von 2.000 Euro sei teuer, hat er recht. Isoliert betrachtet. Auf ein Jahr hochgerechnet kommen Sie da schnell auf eine Summe, die nach einem sehr gut bezahlten Angestellten aussieht.
Nur zahlen Sie den Interim-Manager eben nicht ein Jahr durch, und Sie zahlen keine Nebenkosten. Der Vergleich Tagessatz gegen Zielgehalt ist der häufigste Denkfehler, den ich in diesen Gesprächen sehe. Sie vergleichen zwei Dinge, die nicht dasselbe messen.
Der laut DDIM-Marktstudie 2026 durchschnittliche Tagessatz liegt bei 1.317 Euro, für C-Level realistisch im oberen Segment. Das ist der Preis. Die Frage ist, wogegen Sie ihn stellen.
Was eine Festanstellung wirklich kostet
Auf das Fixgehalt eines CMO kommt einiges obendrauf, bevor die Person einen Tag gearbeitet hat. Sozialabgaben und Versicherungen schlagen grob mit 20 bis 30 Prozent zu Buche. Dann Urlaub und Krankheit, die die Zahl der echten Arbeitstage drücken. Und ein Führungsvertrag trägt Bonus, oft Dienstwagen, manchmal Pension.
Rechnen Sie das zusammen, landen Sie bei einem Vielfachen des reinen Gehalts. Die exakte Höhe schwankt nach Größe und Branche, deshalb nenne ich hier keinen fixen Multiplikator. Als Rahmen: die Vollkosten liegen deutlich über der Zahl, die im Arbeitsvertrag steht.
Der Aufschlag beim Interim-Manager, meist 30 bis 60 Prozent über dem rechnerischen Tageskostensatz eines Festangestellten, ist der Preis dafür, dass er seine Absicherung, Ausfallzeiten und sein unternehmerisches Risiko selbst trägt. Nicht Sie.
Die Kosten, die niemand in die Rechnung schreibt
Eine offene CMO-Stelle kostet Geld, während sie offen ist. Die Bundesagentur für Arbeit hat 2022 eine durchschnittliche Besetzungsdauer von 93 Tagen gemessen. Für Führungspositionen dauert es in der Praxis länger, oft vier bis sieben Monate von Kickoff bis Onboarding.
In dieser Zeit läuft das Marketing entweder auf Autopilot oder das restliche Team kompensiert. Kampagnen verschieben sich, Entscheidungen stauen sich, Umsatzchancen ziehen vorbei. HR-Dienstleister beziffern solche Vakanzkosten oft auf das Zwei- bis Vierfache der direkten Personalkosten der Stelle. Das ist eine Bandbreite aus der Praxis, keine amtliche Zahl, aber die Richtung stimmt.
Und dann ist da die Kündigungsfrist Ihres Wunschkandidaten. Drei bis sechs Monate, in denen er noch beim alten Arbeitgeber sitzt. Diese Frist rechnet fast niemand mit ein. Sie gehört aber in die Festanstellungs-Rechnung.
Wo der Interim-Manager seinen Vorteil ausspielt
Ein erfahrener Interim-CMO ist in unter drei Wochen einsatzbereit und exekutiert einen 100-Tage-Plan, während der Search-Prozess für die Festbesetzung noch läuft. Das ist der eigentliche Hebel. Nicht der Tagessatz, sondern die Zeit bis handlungsfähig.
Der Zeitvorteil multipliziert sich, weil er gegen den langsamsten Teil der Alternative läuft: Suche plus Kündigungsfrist. Rechnen Sie den Tagessatz mal den geplanten Einsatztagen und stellen Sie das gegen die Vollkosten des Jahresgehalts plus die anteiligen Vakanzkosten für die Monate bis zur Festbesetzung. Diese eine Rechnung beantwortet die Frage aus der Überschrift.
Das ist der Kern von gutem Interim Management: nicht billiger sein, sondern früher wirken.
Der Fehler liegt meist im Auftrag, nicht im Preis
Die teuersten Mandate scheitern nicht am Tagessatz. Sie scheitern am unscharfen Auftrag. Wer einen "Transformationsprofi" sucht statt den konkreten Engpass zu benennen, verlängert die Anbahnung und öffnet die Tür für Bewertungskonflikte.
Definieren Sie vor dem Start, was gute Leistung heißt. Welcher Engpass, welche Entscheidungsbefugnis, welches Ergebnis bis wann. Bei einem kurzen Mandat bleibt keine Zeit, das später nachzujustieren. Und fassen Sie den Scope nicht zu eng: Wenn die Vakanz Symptom eines strukturellen Problems war, muss der Auftrag genau das anfassen dürfen.
Diese Klarheit ist der Unterschied zwischen einem Mandat, das rechnet, und einem, das nur Rechnungen schreibt.
Wann Fest, wann Interim, wann beides
Ich halte nichts vom Dogma "Interim oder Fest". Es kommt auf die Situation an. Akute Vakanz, Krise oder eine Transformation mit klarem Enddatum sprechen für Interim. Dauerhafter struktureller Bedarf mit Kulturaufbau spricht für die Festanstellung.
Oft ist die beste Antwort ein Und. Der Interim-Manager überbrückt die Vakanz, hält das Marketing handlungsfähig und vermeidet die Vakanzkosten, während Sie die Festbesetzung in Ruhe und ohne Zeitdruck suchen. Genau diese Brückenfunktion ist der Kern eines Fractional- oder Interim-Modells. Im Private-Equity-Kontext koppelt sich das ohnehin an die Halteperiode, und aus dem 100-Tage-Plan wird de facto der Fahrplan fürs Jahr.
Wenn Sie das für Ihr Haus durchrechnen wollen: Nehmen Sie sich Ihre offene Stelle, Ihre erwartete Besetzungsdauer und die Zahl, die im Vertrag stehen würde. Wir gehen das in 30 Minuten gemeinsam durch — Erstgespräch buchen.