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VENDION CONSULTING
CASE

Merchandising-Anstoßketten im Sport

Warum die meisten Clubs ihr Merchandising wie einen Marktstand betreiben und wie das Direktmarketing-Handwerk der Anstoßkette das Sportjahr in Deckungsbeitrag übersetzt.

Von Ansgar Holtmann

Ein Milliardengeschäft, betrieben wie ein Marktstand

Ich habe für Top-Clubs Merchandising gemacht. Das Muster ist immer dasselbe: Ein Club hat eine große, emotionale Fanbasis und verkauft trotzdem so, als hätte er einen Marktstand am Spieltag. Ein Trikot kommt raus, ein Newsletter geht raus, fertig. Den Rest der Saison passiert nichts Systematisches. Genau da liegt das Geld auf der Straße.

Merchandising im Sport wächst strukturell. In der 1. Bundesliga macht Merchandising inklusive Lizenzen rund 5 Prozent des Gesamtumsatzes aus, in der 2. Liga über 6 Prozent, und das Segment ist in zehn Jahren um 265 Prozent gewachsen, schneller als der Gesamtumsatz der Clubs. Das ist kein Nebengeschäft mehr. Aber die meisten Clubs behandeln es wie eins.

Das fehlende Handwerk heißt Anstoßkette

Das Handwerk, das hier fehlt, ist alt. Es kommt aus dem Katalog-Direktmarketing: die Anstoßkette. Nicht ein Kontakt zum richtigen Moment, sondern eine geplante Folge von Kontakten übers ganze Jahr. Ich denke bei einem Club nicht in Kampagnen, ich denke in Ketten.

Das Sportjahr liefert die Trigger frei Haus. Ein Fußballclub hat feste Peaks: Vorverkauf Heimtrikot, Sponsorwechsel-Launch, ein Erfolgs-Momentum wie die Champions-Route, das Weihnachtsgeschäft, eine Retro- oder Sonderauflage. Ein Katalog-Versender muss sich Anlässe ausdenken. Ein Club bekommt sie geschenkt. Der Fehler ist, jeden dieser Peaks als Einzelaktion zu fahren.

Eine Anstoßkette macht aus einem Peak vier Kontakte statt einem. Ankündigung. Launch. Nachfass für die, die nicht gekauft haben. Cross-Sell für die, die gekauft haben. Vier Stufen pro Trigger, fünf Trigger im Jahr, das ist eine strukturierte Merchandising-Maschine statt fünf Bauchgefühl-Mailings. Der Response-Unterschied zwischen einem einmaligen Anstoß und einer gestaffelten Kette ist kein Feintuning. Das ist die halbe Miete.

Segmentieren Sie nach Kaufverhalten, nicht nach Alter

Die zweite Baustelle sitzt in den Daten. Die meisten Clubs segmentieren nach Demografie: Alter, Geschlecht, Region. Das ist die falsche Achse. Die steuerungsrelevante Frage ist nicht, wie alt ein Fan ist, sondern wann er zuletzt gekauft hat, wie oft, und für wie viel. Das ist RFM: Recency, Frequency, Monetary. Ein Modell aus den Sechzigern, entwickelt, um Katalog-Kundenlisten für Mailings zu priorisieren. Auf eine Fan-Datenbank passt es eins zu eins.

Aus RFM fallen die Zielgruppen von selbst heraus. Der Erstkäufer, der gerade sein erstes Trikot geholt hat. Der Vielkäufer, der jede Saison das neue nimmt. Der inaktive Fan, der seit zwei Jahren nichts mehr gekauft hat. Drei Fans, drei völlig verschiedene Anstöße. Wer allen dreien das gleiche Trikot-Mailing schickt, verbrennt Reichweite bei den einen und langweilt die anderen.

Die Ausschluss-Regel ist der wertvollste Baustein

Die wichtigste Regel der ganzen Mechanik ist eine Ausschluss-Regel. Wer das neue Trikot schon gekauft hat, darf den Standard-Trikot-Anstoß nicht noch einmal bekommen. Klingt trivial. Wird ständig ignoriert. Der Fan, der als erster gekauft hat, ist Ihr wertvollster, und ausgerechnet der bekommt drei Wochen lang die Kauf-mich-Mail für ein Trikot, das längst in seinem Schrank hängt.

Stattdessen gehört er in eine andere Kette: Accessoires, ein Kombi-Paket für die Familie, ein Rabattcode für Dauerkarteninhaber. Das ist derselbe Ausschluss-Reflex, den ich im Katalog-Geschäft gelernt habe, nur mit Trikots statt mit Winterjacken.

Wie viel Personalisierung bewegt, sieht man beim BVB. Deren digitaler TrikotCustomizer, ein Self-Ordering-Kiosk in der Fanwelt, hat die Wartezeit gesenkt und den Umsatz pro Saison um bis zu 18 Prozent gehoben. Personalisierung ist hier nicht bloß ein Produktfeature. Sie ist ein eigener Kampagnen-Anlass, um den man eine eigene Anstoßkette baut: Name, Nummer, das Trikot des Lieblingsspielers.

Sonderauflagen sind ein Trigger, keine planbare Ware

Ein Sonderfall verdient eine eigene Warnung: die Sonderauflage. Ein Sondertrikot, Retro oder Kooperation, verkauft sich anders als das Stammtrikot. Der HSV hat 70.000 Stück einer Sonderauflage abgesetzt, Sondertrikots beim BVB waren mehrfach ausverkauft. Das Problem ist nicht die Nachfrage, das Problem ist die Prognose.

Wer ein limitiertes, emotionales Trikot mit den Vorjahreszahlen des Stammtrikots kalkuliert, liegt zwangsläufig daneben. Entweder ausverkauft, dann verlieren Sie Umsatz an Lieferzeit und Nachproduktion. Oder überproduziert, dann liegt Kapital im Lager. Die Sonderauflage treibt Dringlichkeit, aber sie gehört anders gerechnet als das Stammtrikot.

Dieselbe Mechanik, die bei DA Direkt vier Millionen brachte

Das Muster hinter alldem ist branchenübergreifend. Ich habe bei DA Direkt eine KFZ-Renewal-Strecke aufgebaut, die vier Millionen Euro Beitrag zusätzlich gebracht hat, reine Anstoßketten-Arbeit auf einem Bestand, der schon da war. Ein Club-Bestand aus treuen, emotional gebundenen Fans ist ein besserer Ausgangspunkt als jeder Versicherungsbestand. Die Bindung ist schon da. Was fehlt, ist die Mechanik, die sie in Deckungsbeitrag übersetzt.

Genau das ist Performance Marketing, wie ich es verstehe: messbare Response über eine geplante Kontaktkette, kanalunabhängig. Ob der Kanal E-Mail heißt, Katalog oder Spieltags-Aktivierung im Stadion, ist zweitrangig. Die Kette entscheidet. Wer im Profi-Sport das Merchandising ernst nimmt, baut kein größeres Marketing-Team, sondern eine saubere Datenachse und fünf Anstoßketten ums Sportjahr.

Wenn Sie das für Ihren Club oder Ihre Merchandising-Einheit einmal durchdenken wollen, nehmen wir uns 30 Minuten. Ich sage Ihnen ehrlich, wo bei Ihnen die Kette reißt und was der erste Trigger wäre, den ich anpacken würde.

Das in Ihrem Haus prüfen? Sprechen wir 30 Minuten.

30 Minuten, ehrlicher Blick auf Ihre Anstoßketten, keine Verkaufsschleife.